Glücklich ist, wer vergisst , was nicht zu ändern ist…

Ich hatte immer ein aussergewöhnlich gutes Gedächtnis.
Ich brauchte nie ein Notizbuch und einen Terminkalender und Telefonnummern konnte ich auswendig, wenn ich sie einmal gewählt hatte.

Wie der aufmerksame Leser schon längst bemerkt hat, schreibe ich in der Vergangenheitsform, denn heute vergesse ich ständig was.

Ich weiß von jetzt auf gleich nicht mehr was ich grade sagen wollte oder wo ich was hingelegt habe. Wenn ich verreise, prüfe ich heute solange nach, ob ich nicht doch vergaß das Licht zu löschen und das Bügeleisen abzustellen, bis ich sicher sein kann, das auch wirklich alle Lampen im ganzen Haus für die Dauer des Urlaubs brennen werden.

Das liegt am Cortisol sagt meine Ärztin und am psychischem Dauerstress oder an Beidem, ich weiss es nicht mehr so genau, ich hab es vergessen.
Das nervt mich sehr.

Denn eigentlich ist Vergessen eine Schutzreaktion unseres Gehirns. Ein eingebauter Unverdaulichkeits- Unbrauchbarkeits-Filter sozusagen. Vergessen schützt uns vor Verletzung und Überforderung. Jeden Tag vergessen wir viel mehr Sachen und Ereignisse als wir erinnern und erhalten uns so Speicherkapazität in unserem Gehirn. Vergessen ist also lebenswichtig.

Vor einigen Jahren haben US -Mediziner in einer Studie festgestellt, dass das Hirn kreativer Leute ( im Folgenden Kreativis genannt) einen anderen Filtermechanismus hat als das Gehirn von unkreativen Menschen, (im Folgenden Normalos) genannt. Normalos filtern alle, im Moment nicht gebrauchten, Informationen aus ihrem Sehen und Erleben und verwerfen diese Informationen nach kurzer Prüfung. Sie vergessen das für sie momentan unwichtige. Nicht so ein Kreativi. Der behält erst mal alles und lagert es ein, immer mit der Intention eine der gesammelten Informationen noch mal gebrauchen zu können. Kreativis sind also eigentlich geistige Messis, sie können sich nur schwer von Erinnerungen und Informationen trennen. Das hat den Vorteil manche Zusammenhänge schneller erkennen zu können , weil Informationen schneller erreichbar sind, es birgt aber auch den Nachteil der Überforderung.

Vielleicht der Grund, warum unter den depressiven Menschen soviele Kreative sind.

13 Gedanken zu “Glücklich ist, wer vergisst , was nicht zu ändern ist…

  1. Ja, die Schutzmechanismen des Gehirns sind sehr interessant – und vielleicht ist es auch gut, daß wir darüber nicht alles begreifen, denn sonst würde man vielleicht eine Möglichkeit finden, den Schutzschalter auszubauen, und das wäre dann auch wohl nicht gut.

    Liebe Grüße an Dich,

    Silke

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  2. Liebe Anne,
    vielleicht liegt es einfach daran das sich in depressiven Phasen der Blick mehr nach innen richtet – dort tauchen viele bewußt nicht mehr zugängliche Erinnerungen auf die
    kreativ verarbeitet werden.

    mlg reinhold

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  3. Guten Abend liebe Silke,
    eben grad fällt mir ein, das ich dir noch schreiben wollte Ich habe in einem Blog deinen „Kommentarfight“ zum Thema Demonstrationen verfolgt und fand die Art deine Meinung zu vertreten ausserordentlich beeindruckend. Ich wollte dir das schon den ganzen Tag posten, aber….*rotwerd und in Ecke geht zum Schämen* ich vergaß es. Also jetzt hier noch mal extra für Dich ein ganz großes Kompliment für deine Meinung und die Fähigkeit sie so energisch, nachdrücklich und doch sachlich zu vertreten. Deine Kommentare (ich weiß nicht mehr genau wo, ich glaub bei Fraubecker?) waren für mich ein lesenswertes Lehrstück in Sachen gelebter Demokratie. Ein paar mehr solcher Leute täten Deutschland gut.
    Ganz liebe Grüße in das abendliche Schneckenhaus und ein *pling* darauf, das bei uns noch keine Steine fliegen.
    Anne

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  4. Hallo Reinhold, das ist wohl wirklich so, das Depressiven oft einfach das Vergessen von Vergangenem schwer fällt und das deshalb auch die Lösungsmöglichkeiten und Auswege so schwer angenommen werden können. Nicht vergessen können bedeutet sich blockieren.
    Lg Anne

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  5. Wie dem auch sei, ich vergess auch ständig etwas, das ist doch nicht weiter tragisch. Ich würde es lediglich zerstreut nennen, weil man eben macnhmal schon überfordert ist…*gg*
    Das betrifft also nicht nur das Alter…Klar nervt es manchmal, aber dann bleib halt ruhig, irgendwann fidnet es sich sicher wieder an ;D
    Manche nennen mich vom Temperament tatsächlich „Phlegmatiker“…tss… 😉
    Ich weiß nicht, ob dir die frühere medizinische Einteilung der „Viersäftelehre“ und der „Temperamentenlehre“ etwas sagt:

    Die Vier Säfte und Astrologie

    Im Mittelalter wurde die Humoralpathologie durch astrologische Spekulationen ergänzt.

    1. Blut (= lat.: sanguis), das im Herzen gebildet würde, sei der konstituierende Saft der Sanguiniker und dem Element Luft, dem Morgen, dem Frühling und der Kindheit anverwandt. Einen bestimmenden Einfluss übe neben den Sternbildern der Zwillinge, des Stiers und des Widders auch der Jupiter aus.
    2. gelbe Galle (= cholé, grch.: χολή), die aus der Leber stamme, wird den Cholerikern sowie dem Element Feuer, dem Sommer, der Jugend, dem Mittag und den Sternbildern Jungfrau, Löwe, Krebs und dem Planeten Mars zugeordnet.
    3. schwarze Galle (= von mélas cholé), die in der Milz und den Hoden produziert werde, bestimme den Charakter der Melancholiker und dem Element Erde dem Herbst, dem Erwachsenenalter, dem Nachmittag und den Sternbildern Waage, Skorpion, Schütze und dem Planeten Saturn zugeordnet.
    4. Schleim (= grch.: phlegma), der im Gehirn produziert werde, bestimme das Wesen der Phlegmatiker und habe Bezug zum Element Wasser, dem Abend, dem Winter und dem Greisenalter sowie den Sternbildern Fische, Wassermann, Steinbock und dem Mond.

    Die Verknüpfung der Viersäftelehre mit der Lehre von den vier Temperamenten erfolgte durch Galenus von Pergamon, der den vier Flüssigkeiten des Körpers („humores“) je ein Temperament zuordnete. Je nach Vorherrschaft einer dieser vier Flüssigkeiten bilde sich das damit verbundene Temperament besonders hervor. Galen griff dabei eine Auffassung auf, die in gewissen Bereichen, z.B. der Melancholie bereits zuvor gebildet worden war, und systematisierte sie:

    * Blut („Sanguis“): Sanguinisch (heiter, aktiv)
    * Schleim („Phlegma“): Phlegmatisch (passiv, schwerfällig)
    * Schwarze Gallenflüssigkeit („Melan Chole“): Melancholisch (traurig, nachdenklich)
    * Gelbe Gallenflüssigkeit („Chole“): Cholerisch (reizbar und erregbar)

    Na ja, soviel dazu *gg*
    Liebe Grüße;
    Maria

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  6. Liebe Frau (Dr.) Maria !
    Wie schon so oft hat deine kluge und freundliche Art ein Lächeln in meinen Alltag gezaubert. Mit deiner Erlaubnis veröffentliche ich deinen Kommentar mit der Viersäfte-lehre morgen zusammen mit ein paar netten Abbildungen aus dem Buch die Frau als Hausarzt. Da ist das ganz ausführlich beschrieben. Also bis morgen, liebe Grüße
    deine Anne

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  7. Guten Morgen meine liebe Anne,
    ich vergesse ständig irgendetwas. Das ist wirklich schlimm, denn das bringt mir oft „Ärger“.
    In meiner ersten EWhe war es am schlimmsten, ich hatte mir damals eine alte Tafel in die Küche gehängt um mir eine kleine Stütze zu geben, und weißt du was, da stand nie etwas drauf, weil ich oft mit der Kreide in der hand davor stand und einfach vergessen habe was ich mir eigentlich notieren wollte…
    Mitlerweile ist es viel viel besser geworden, nur für mich Belangloses, verschwindet in der Vergessenheit.
    Ich mag es sehr wenn du aus der Vergangenheit schreibst,
    wenn ich deine Texte lese, ist es so, als würdest du mir es erzählen, das ist echt schön.
    Liebe Anne hab einen guten und schönen Tag, mauzzzz

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  8. Guten Morgen, liebe Anne,

    und ganz herzlichen Dank für das Kompliment! Ich bin direkt etwas verlegen geworden; habe ich doch nur geschrieben, wie ich zu dem Thema stehe. Es ging dabei um Demonstrationen (bei der „Zynkolummne“; ich verlinke hier mal den Beitrag – wenn DU das nicht möchtest, lösch es bitte wieder heraus 🙂 ), und da ich damit befasst bin, wegen der Streiks und meiner Teilnahme daran, habe ich einfach meine Meinung vertreten.

    Aber ich freue mich sehr, daß es bei Dir so „rübergekommen“ ist! Das *pling* erwidere ich sehr gern!

    Liebe Grüße, Silke

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  9. Untersuchungen ergeben auch, daß man die reduzierte Gedächtnisleistung im Alter hervorragend durch gewonnene Erfahrungen kompensieren kann. Man muß sich nicht z.B. an Lösungen erinnern können. Man schafft sie einfach neu! Man wechselt vom Mechanismus des Reproduktionswissens zum Mechanismus des Tranferwissens. Das können die Jüngeren wiederum (noch) nicht so gut. Das ungewohnte ist nur, daß man sich erst daran gewöhnen muß, daß man vielleicht etwas „anders“ denkt als früher, oder etwas anders an die Sachen herangeht. Laß Dich nicht verrückt machen. Die Natur ist da im Prinzip ganz erfindungsreich um unser Überleben immer optimal, den Situationen angepaßt, zu sichern.

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  10. Danke , liebe mauzzzz, und wenn ich weiß , das es dich freut und dir Spaß macht wenn ich erzähl, macht es mir die doppelte Freude. Aber ich vermisse die „Verrückte Mauzzz „mit den Katholiken-Werbewitzen sehr.
    Ein schönes Wochenende wünsch ich dir, liebe Blogfreundin Mauzzz
    deine Anne

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  11. Untersuchungen ergeben auch, daß man die reduzierte Gedächtnisleistung im Alter hervorragend durch gewonnene Erfahrungen kompensieren kann.

    *lach* Vorweg mal schnell „Danke“ für das Schlaumachen, das hört sich ja tröstlich an.
    Aber die reduzierte „Gedächtnissleistung im Alter“ fand ich schon, auf mich angewendet, sehr lustig! Denn erstens fühl ich mich irgendwie nie „Personalausweisaltersgerecht“ (ich fühl mich wie 17 manchmal , wie dreissig manchmal und öfter, speziell nach dem Aufstehen morgens, quälen mich gefühlte 104 Lenze, doch wie 51, fühl ich mich nie), und zweitens, vergess ich so oft einfach wie alt ich schon bin.
    lg und *Pling* auf die Jahre die noch vor uns liegen,
    Anne

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  12. nun, anne, ich weiß zwar nicht wer du bist, aber du stehst auf meiner freundesliste, also muss ich etwas mit dir zu tun haben. du schreibst, glaube ich, sehr nett, jedenfalls habe ich wohl heute schon was von dir gelesen, denn auf meiner wand, die ich als memo benutze, steht: „anne gelesen“. ich nehme an, ich meine dich. ich muss in dieses zimmer mit den töpfen, denn da riecht es seltsam, scheine wohl hunger gehabt zu haben und etwas auf dieses teil mit dem seltsam riechenden unsichtbaren zischenden gestellt haben, das ist nun schwarz. außßerdem streicht hier ein tier um meine beine. nach dem bildern hier auf dem bildschirm, die ich mit dem tier verglichen habe, scheint es ein hund zu sein. er hat wohl sprachprobleme, denn er nennt mir nicht seinen namen, außerdem wollte er nicht den topf da weg nehmen.

    das kommt davon wenn man sonntag um 7.00 uhr sich an den schreibtisch setzt zur arbeit, irgendwann dreht man ab. so, zum trost sehe ich mir nun wieder schön bilder von immobilien im ausland an.
    wieviel wohnfläche brauchst du? und brauchst du auch ein atelier? du musst ja bilder malen, die ich dann im dorf an touris verkaufe

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