Ich glaube fest an das menschliche Herz

Heute eine Wiederholung aus dem Jahr 2005.  Im Angesicht der nicht enden wollenden Konflikte und Kriege, all des Terrors, ist er leider immer noch aktuell.

 

 *****

 

In den Büchern der Schriftstellerin Pearl  S. Buck (1892-1973) steht auf den letzten Seiten jedes Buches grundsätzlich eine Art Glaubensbekenntnis der Literatur-Nobelpreisträgerin von 1938.
Es hat mich jedesmal sehr angerührt wenn ich es in einem ihrer Bücher gelesen habe. Pearl S. Buck glaubte an das Gute im Menschen und an die Kraft der Liebe.

 

„Ich liebe das Leben, weil mich die Menschen und ihr Werden unendlich interessieren. Durch das Interesse wächst mein Wissen um Sie beständig. Und dieses wiederum lässt mich glauben, dass das gewöhnliche menschliche Herz von Natur aus gut ist. ….

Ich brauche keinen anderen Glauben, als den an die Menschheit,  wie einst Konfuzius nimmt mich das Wunder dieser Welt und das Leben darauf so gefangen, dass ich für Engel und Himmel keinen Gedanken mehr habe . Dieses Leben bietet mir genug. Gäbe es kein Anderes – es hat sich gelohnt geboren zu werden , ein Mensch zu sein….
Ich glaube fest an das menschliche Herz und seine Kraft, dem Licht zu zustreben.

Die hoffnungsvolle Tatsache, das die Welt genug Nahrungsmittel für alle Menschen hat, gibt mir Mut. Unser medizinisches Wissen ist schon so weit fortgeschritten, um die Gesundheit der gesamten menschlichen Rasse zu heben. Die Mittel, die uns für Erziehung zur Verfügung stehen , können – in weltweiten Rahmen eingesetzt – die Intelligenz aller steigern. Nur dies eine bleibt uns noch zu tun: Wir müssen herausfinden , wie wir die Vorteile …aller Welt zugänglich machen…..

Auch das können wir schaffen, denn genügend Menschen werden den Glauben an sich und die anderen finden. Zwar nicht zur gleichen Zeit, aber die Zahl derer, die den Glauben haben, wächst.

Vor einem halben Jahrhundert dachte noch niemand an Welternährung, Weltgesundheit, Welterziehung. Viele denken heute daran. Inmitten eines möglichen Weltkrieges, einer Massenvernichtung, ist dies meine einzige Frage:  Gibt es genug Leute, die den Glauben haben?  Bleibt uns Vernünftigen noch genug Zeit zum Handeln? Es ist ein Kampf auf Leben und Tod, ein Kampf zwischen Wissen und Unwissen.

Mein Glaube an die Menschheit ist unerschütterlich. „

 

Obigen Text schrieb Pearl S. Buck 1933, also vor den 50 Millionen Kriegstoten des II.Weltkrieges, vor 6 Millionen Toten in deutschen Konzentrationslagern. Vor den Atombomben von Hiroshima und Nagasaki. Lange vor Kubakrise, Aids und Ozonloch.
Geschrieben in einer Zeit in der es sehr schwer war an sachliche Informationen zu kommen, in einer Zeit ohne Pc und Internet, nix war mit Informations- und Mediengesellschaft. Radio und vor allem TV steckten noch in den Kinderschuhen. Vor 72 Jahren geschrieben und ich finde den Text aktuell wie nie und außerordentlich beeindruckend!

Vielleicht geht mir das so weil die wirklich menschlichen Wahrheiten und Einsichten universell sind, und damit zeitlos ? Weil ich sie eher mit meinem Herzen erahne , denn mit meinem Verstand erfasse?

Und ich frage mich ob wir heute genügend Vernünftige wären, ob wir noch genug Zeit haben zum Handeln? Ob wir unseren Kindern die richtigen Werte vermitteln?

Mehr, den je zuvor, hätte die Menschheit heute die Möglichkeit zu einem friedlichen Miteinander, zu gegenseitigem Verstehen und Vertrauen. Nie zuvor, in den letzten 70 Jahren, war der Schritt in die Richtung Vernunft so klein, nie zuvor bedurfte es so wenig um so viel zu erreichen. Nie zuvor wurden soviel Friedensverhandlungen geführt wie in der jüngsten Geschichte. Nie zuvor konnten Millionen Menschen in einer Friedensbewegung mobilisiert werden.
Aber, nie zuvor gab es auch so viele Kriegsschauplätze, soviel Not, soviel Probleme, soviel Ungerechtigkeit, soviel Fanatismus und Terror. Ja, auch der Schritt in den Abgrund, in die falsche Richtung ist wohl leicht, vielleicht zu leicht und verlockend für die Menschen?
In einer Welt in der Entfernungen keine Rolle spielen, Nachrichten und Meinungen in Sekundenschnelle austauschbar sind, wir mehr wissen als je zuvor in der Menschheitsgeschichte soll es unmöglich sein einen Konsens zu finden?

 

Das will ich nicht glauben!

 

Diesem Gedanken will ich in meinem Denken keinen Raum geben!
Dagegen denke und schreibe ich an! Lieber lass ich mich als „Regenbogenkrieger“ verspotten und besinne mich auf die Waffen der Waffenlosen:

 

 Glaube, Liebe und Hoffnung!
glh

6 Gedanken zu “Ich glaube fest an das menschliche Herz

  1. Oh, ein Anker…! :-))

    Ich teile Deine Gedanken. Und habe die Hoffnung, dass der derzeitige Beginn der Weltwirtschaftskrise ( falls sich das noch nicht herumgesprochen haben sollte: Es ist eine! ) bei vielen Menschen ein Umdenken bewirken wird.

    Das kommt aber alles nicht von alleine. Dein „dagegen anschreiben“ ist ein Teil der Veränderungen. Jeder aufmerksame Leser ist ein Gewinn. So wie Dein Text ist auch ein Leser ein Puzzleteil bei dem Versuch, ein neues, positiveres Gesamtbild zu erstellen. Viele schreiben, viele lesen. Und immer bleibt etwas nachhaltiges zurück. Nicht bei allen. Aber bei den Wenigen, die sich Gedanken machen. Und die sind es, die dazu beitragen, dass sich unsere Welt lebenswerter gestaltet.

    Dum spiro, spero ( so lange ich atme, hoffe ich ).

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  2. liebe anne,
    danke für diesen text. er ist richtig und wichtig!!!

    Wir alle leben in einem nie dagewesenen luxus.( sauberes wasser, funktionierende versorgung mit nahrungsmitteln. dinge die für uns absolut selbstverständlich sind, in einem demokratisch geführten land ) Wie viele menschen können davon nur träumen?

    jeder von uns hat doch eigentlich mehr, als er braucht. darin besteht meiner meinung nach die crux. überfluss schafft überdruss hat janosch schon vor jahrzehnten in einem seiner kinderbücher geschrieben. dabei werden wir täglich ärmer.

    wir beschränken uns aufs haben und vergessen das sein. was soll sich daraus entwickeln? Ängste sind auf dem vormarsch, aber ein volk das angst hat ist nun mal leichter zu manipulieren. so einfach ist das.

    ich stelle fest, dass es wichtig ist dagegenanzusprechen und wie du, dagegenanzuschreiben. denn es gibt immer mehr, die aus diesem wahnsinnigen strudel aussteigen wollen.

    meine hoffnung geht dahin, dass immer mehr menschen begreifen, dass wir zuerst in der kleinsten zelle (familie, freunde ) werte neu definieren müssen.

    es gilt dagegenzuhalten, dieses konsumterror nicht länger mitzumachen. konsequent diesem unerträglichen gebrüll der werbung auszuweichen. das geht.

    worauf wir allerdings nicht verzichten können, sind gleichgesinnte. menschen, die innehalten, reflektieren und adäquat handeln.

    den fokus auf das wesentliche lenken. barmherzigkeit, demut vor der schöpfung, und das wir immer zuerst bei uns selbst beginnen müssen, wenn wir etwas verändern wollen.

    Sei lieb gegrüsst anne
    und danke nochmal für diesen eintrag
    Ingrid

    p.s. ich glaube nicht an die „böse natur“ des menschen. Ich glaube, dass er das schrecklichste tut aus mangel an phanstasie und trägheit des herzens.
    Ernst Troller

    p.p.s. ein dreifach hoch auf die phantasie!!!

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  3. Liebe Anne,

    God bless you, möchte man Dir schreiben, nach diesem in seinem Glauben an das Gute so unerschütterlich scheinenden Eintrag. Aber welchen Gott bitte ich nun. Sie werden ja alle dringend gebraucht in Zeiten, in denen (unfassbar!) der Glauben an den „richtigen“ Glauben droht, sich zur größten Gefahr für den Frieden in der Welt auszuwachsen.

    Wäre der „Baum der Erkenntnis“ doch wirklich einer gewesen! Da muss ein Übersetzungsfehler vorliegen. Er war nur ein Baum des Wissens, und es wäre viel damit gewonnen, wenn mehr Menschen sich ihres Nichtwissens bewusst würden, statt sich ihrer Erkenntnisse zu rühmen und sie anderen aufzuzwingen. Deine kleinen Paradiese, wie aus einer verwundeten Erde losgelöst, zeigen doch, das die Welt viel dadurch gewönne, wenn wir uns um den Garten kümmerten – um das, was wir wissen, weil wir es sehen und berühren können, nicht um das, war wir glauben oder man uns glauben machen will.

    Liebe Grüße
    cuenta…….

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  4. liebe anne,

    du hast es vor jahren schon auf den punkt gebracht. hut ab.
    und die thematik ist heute aktueller denn je.
    glaube, liebe, hoffnung – was wäre die welt ohne sie!
    trost, kraft und liebe können nur so wieder entstehen.
    und ohne die liebe geht GAR NIX. 😉

    liebgruß
    lisa

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