Über ein Stündlein

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Bild „Dazwischen“ (c)Annes

Über ein Stündlein.
von Paul Heyse ( 1830 – 1914 )

Dulde, gedulde dich fein!
Über ein Stündlein
ist deine Kammer voll Sonne.
Über den First, wo die Glocken hangen,
ist schon lange der Schein gegangen,
ging in Türmers Fenster ein.
Wer am nächsten dem Sturm der Glocken,
einsam wohnt er, oft erschrocken,
doch am frühsten tröstet ihn Sonnenschein.

Wer in tiefen Gassen gebaut,
Hütt‘ an Hüttlein lehnt sich traut,
Glocken haben ihn nie erschüttert,
Wetterstrahl ihn nie umzittert,
aber spät sein Morgen graut.

Höh‘ und Tiefe hat Lust und Leid.
Sag ihm ab, dem törigen Neid:
andrer Gram birgt andre Wonne.
Dulde, gedulde dich fein!
Über ein Stündlein
ist deine Kammer voll Sonne

7 Gedanken zu “Über ein Stündlein

  1. Guten Morgen Wolfgang
    Ich les da dulden, nicht ducken.
    Ich les da: Nimm in Kauf, das dich ob deiner aufrechten, vielleicht einsamen Haltung( Turm) die Stürme umtosen und die Glockenstimmen deine eigene übertönen. Denn sollte die Sonne scheinen, trifft dich ihr Licht ein Stündlein eher als die Hütten im Tal, die sich Schutz suchend aneinander ducken.
    Aber, das ist meine Lesweise, sie erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit.
    Einen schönen Sonntag wünsch ich dir. Im Moment ist hier dicker Nebel draussen und selbst aus meinem „Turmzimmerchen“ kann ich die Büsche im Park kaum erkennen.So grau. Hoffen wir das es ein heller Tag wird für uns.
    LG Anne

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  2. Paul Johann Ludwig von Heyse

    *15.März 1830 in Berlin, +2.April 1914 in München/Bayern

    Stationen u.a.: Sohn eines Professors. 1847-51 Studium Philologie, Romanistik, Kunstgeschichte in Berlin und Bonn. 1852 Promotion. Gehört zum Münchner Dichterkreis „Krokodil“. Redakteur. Kunsthistoriker. Übersetzer. Freundschaft mit Gottfried Keller und Theodor Storm. 1891 verlässt er die Jury des Schiller-Preises aus Protest gegen eine Entscheidung von Wilhelm II. 1901 Aufführungsverbot seines Dramas „Maria von Magdala“.

    Auszeichnungen/Ehrungen/Preise : Italienreise-Stipendium des preußischen Kultusministeriums (1852). Nobelpreis für Literatur, Schweden (1910)

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  3. Heyse fand schon im Elternhaus eine Atmosphäre vor, in der kultivierte Geselligkeit, geistig-literarischer Austausch, die Anteilnahme an Musik und bildender Kunst Selbstverständlichkeiten waren. Die Mutter war mit der Familie Mendelssohn-Bartholdy verwandt und stand mit den führenden jüdischen Salons in Berlin in geselligem Verkehr. Schon während seiner Schulzeit am Gymnasium entstanden erste literarische Versuche, auf die Emanuel Geibel aufmerksam wurde. Aus der Förderung durch den 15 Jahre Älteren und schon Berühmten erwuchs eine lebenslange Freundschaft und gemeinsame literarische Arbeit.

    Die Freundschaft zum Haus des Kunsthistorikers Kugler brachte Heyse in Kontakt mit Burckhardt, Menzel, Fontane und Storm, schliesslich mit der literarischen Vereinigung «Tunnel über der Spree» . Nach vier Semestern Studium der klassischen Philologie in Berlin wechselte Heyse zum Studium der Kunstgeschichte und Romanistik nach Bonn und promovierte 1852 mit einer Arbeit über die Lyrik der Troubadours. Zuvor schon hatte der Vater des Sohnes Entschluss, Dichter zu werden, freudig begrüsst.

    Den 24jährigen erreichte auf Vermittlung Geibels der Ruf des bayerischen Königs Maximilian II. 1854 übersiedelte Heyse nach München und nahm regelmässig teil an den «Symposien» des Königs im Dichter- und Gelehrtenkreis. Daraus ergaben sich vielfältige gesellschaftliche Verbindungen. Er konnte sich eine herausragende Stellung als literarische Autorität aufbauen und sie über Jahrzehnte als Hofpoet und Dichterfürst in der Nachfolge Goethes behaupten, seit 1874 in der repräsentativen Neo-Renaissance-Villa nahe der Lenbachs residierend. Um den brachliegenden literarischen Austausch in München zu beleben, hatte Heyse mit Geibel schon 1854 nach dem Muster des Berliner «Tunnel» die Dichtervereinigung «Krokodil» gegründet und seit 1868 auch geleitet. Mit dem von Geibel herausgegebenen Münchner Dichterbuch stellte sich die Gruppe 1862 der Öffentlichkeit vor.

    Viele seiner Novellen siedelte Heyse in seiner Wahlheimat Italien an, wo er auch im Alter meist den Winter auf seinem Landsitz in Gardone am Gardasee verbrachte.

    Nach dem Tode Maximilians II. 1864 lockerte sich Heyses Bindung an den Hof und löste sich 1868; er hatte sich mit Geibels politischen Überzeugungen solidarisiert und damit unerwünscht gemacht. Seine Stellung im literatischen Leben wurde dadurch jedoch nicht erschüttert: 1871 Aufnahme in den Kreis der Ritter des Maximilians-Ordens, 1884 der Schiller-Preis, 1910 die Ehrenbürgerschaft der Stadt München. Heyse erhielt 1910, erstmals an einen deutschen Dichter verliehen, den Literatur-Nobelpreis.
    so und ich werde sicher bei einer meiner zeitreisen, die es irgendwann geben wird, mich in diverse literatursalons setzen. natürlich flirte ich mit hesse und und mit tucholsky läster ich über die menschen ab, paul celan wird mich depressiv stimmen, ingeborg bachmann, ja und sogar goethe und schiller werde ich besuchen. und da die zeitmaschine so sein wird, dass wir aus der zukunft nie zeitgleich und trotzdem ohne wartezeit da sein können, gibt es auch keine warteschlangen
    hoffentlich sind sie bald mit der erfindung fertig!

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  4. Liebe Anne,
    zuerst konnte ich mit diesem Gedicht nicht viel anfangen,
    aber nach deiner Schilderung für wogs hab ich es nochmal
    neu gesehen.
    Ja, wer nicht buckeln kann steht oft allein im Sturm.
    mlg reinhold

    Aber heut steh ich auf der Leitung,
    wie verbinde ich den Bild mit diesem Gedicht,
    ein sanftes Engelhaftes Wesen in der Zwischenwelt ?

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