Stöckchen und andere Abartigkeiten

Das einzig Gute an der eigenen Unvollkommenheit ist die Freude, die man anderen damit macht.
Unbekannt

Heute hat mir der „Bär- tiger“ *g* (find ich viel schöner als Baertiger) ein sogenanntes „Stöckchen“ in meinen Blog geworfen.
Ich hab es gleich zurückgehen lassen. Ich hasse Kettenbriefe, Glücks-emails, usw, die man ungefragt in den Briefkasten oder den Blogvorgarten geworfen bekommt.

Ich bin ebenfalls sehr skeptisch bei diesen ‚Ich mag/Ich mag nicht-Listen‘, die im www kursieren. Eine Mutation aus Kettenbrief und einer ebensolchen Liste ist ein Stöckchen. *Erklärbär Ende*

Obwohl es in meinem Umfeld durchaus Menschen gibt, die mich als exzentrisch (Definition hier) bezeichnen, fehlt mir jedweder Sinn für solche Kommunikationsformen.
Ich finde sie einfach nicht lustig. Auch nicht lehrreich oder informativ, denn ich denke, kaum einer wird bei der Aufzählung seiner Unarten wirklich ehrlich sein.

Als bekennende Exzentrikerin mache ich mir ganz gern mein eigenes Bild und meine eigenen Gedanken zu den Situationen und Menschen um mich herum.

Ich will gar nicht wissen , wer sich wann in der Nase bohrt und in welchen Situationen sich jemand am Sack kratzt.
Auch die sexuelle Orientierung und das Masturbationsverhalten des gemeinen, mitteleuropäischen Bloggers interessieren mich sowenig wie das Schwarze unter meinem Fingernagel, nämlich gar nicht.
Ob und wann jemand furzt, ob er dem eigenen „Duft“ der großen weiten Welt genüsslich nachriecht, oder gleich lüftet?,…. das will ich eigentlich gar nicht wirklich wissen!!!
Das darf ganz lange ein Geheimnis bleiben!!

Das wirft die Frage auf, warum ich dann blogge und sozusagen öffentlich ein Tagebuch schreibe, und ob meine Aversion gegen das ‚Stöckchen‘, das in meinem Blog landetete, und bloggen an sich sich nicht gegenseitig ausschliessen.

Verfolge ich diesen Gedanken weiter, komme ich zwangsläufig zum Thema Offenheit und Ehrlichkeit im Internet.
Auch dazu habe ich eine eigenen Meinung.
Ich denke, jeder , der hier schreibt, und seine Texte der Allgemeinheit zugänglich macht, möchte auch, das man ihn liest. Er oder Sie nehmen billigend in Kauf, das sich der Leser ein inneres Bild vom Schreiber macht, das eine Vorstellung vom Menschen hinter den Worten entsteht.
Und ich ( ich kann da nur für mich sprechen )erzähle ich hier nicht „Alles“ über mich. Ich bin nicht unehrlich, aber auch kein Exhibitionist, in manchen Berichten kann man vllt mal ein wenig hinter den Vorhang blicken, aber manches möchte ich nicht in der Öffentlichkeit sehen. Nicht bei mir und nicht von Anderen.

Auch meine Freundesliste habe ich nach eben diesem Grundsatz eingerichtet, nach den Menschen hinter den Worten, die ich natürlich nur vermuten kann, mit denen ich meine Erfahrungen machen möchte, von denen ich mir durch ihre Blogbeiträge mein Bild machen möchte.
Stellt euch mal vor , ihr lernt jemand kennen und beim einem der ersten Rendevouz’s erklärt er euch, dass er grundsätzlich nach dem Toilettengang nicht abzieht um Wasser zu sparen, das er das Wasser der Dusche sammelt und damit nachspült. Hätte dieser Jemand eine Chance auf ein näheres Kennenlernen ? Wohl bei den wenigsten.
Ich kenne aber jemanden der etwas ähnliches macht, und er ist abgesehen von dieser Macke ein wirklich kluger und geistreicher, lieber Mensch. Hätte er mir seinen Spleen am Beginn unserer Bekanntschaft offenbart wäre keine Freundschaft daraus geworden, da bin ich mir ziemlich sicher. Also lasst mir meine Illusionen, verschont mich mit „Stöckchen“, besonders wenn sie Intimitäten beinhalten und seid nicht sauer , wenn ich es zurückwerfe sollte es in meinem Blogvorgarten landen.;)
Herzlichst, Anne

13 Gedanken zu “Stöckchen und andere Abartigkeiten

  1. Liebe Anne!

    Deine Einstellung kann ich gut nachvollziehen.

    Ich halte auch nichts von Kettenbriefen. Aber ich kratze mich einfach zu gerne am Sack um das nicht erzählen zu dürfen. Grins.

    Für mich bedeutet die Andersartigkeit des Gegenüber allerdings auch irgendwann die Abartigkeit. Alles was jemand anders als fraumann selber macht kann viel zu anders und somit gar abartig erscheinen und im Gegenüber sogar Ekel erzeugen. Die Andersartigkeit zu ertragen ist für mich eine Übung in Toleranz. Und es ist merkwürdig. An diese kleinen Marotten kann ich mich sogar gewöhnen und sie zulassen. Ohne sie übernehmen zu müssen akzeptiere ich dieses irritierend fremde.

    Und ich erzähle es eben einfach. Eines Tages kommt es es sowieso zum Vorschein bezeihungsweise wird entdeckt im Miteinander.

    Und wieso falsche Bilder erwecken? Eines Tages kommt die bittere Wahrheit und zerstört diese Träume. Das tut im Zweifelsfalle weh. Und dies möchte ich gerne vermeiden.

    dankbar
    stephan

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  2. Hallo, liebe Anne,

    ich finde, jeder muß für sich entscheiden, ob er ein „Stöckchen“ auffangen will oder zurückwirft; das ist völlig okay :)! Manche finde ich auch zu intim; dieses fand ich ganz lustig, und ich fürchte, ich habe dieses mit begonnen, denn es wurde mir zuerst zugeworfen aus einem finnischen Blog; netterweise mit Übersetzung :)! Was mich erstaunt hat, war doch die Geschwindigkeit, mit der es so viele hier erreicht hat.

    Ich für meinen Teil war übrigens ganz ehrlich :)!

    Und Du ja auch!

    Liebe Grüße,

    Silke

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  3. hallo Schnecke, ich fand es nicht schlimm bei dir, aber ich möchte es nicht haben, deshalb der längere Kommentar dazu und ausserdem dachte ich das du ehrlich warst. ;). Ich wollte das Stöckchen nur nicht nochmal bekommen. War sozusagen eine Stöckchenprophylaxe! *g*
    Dich les ich eigentlich immer gern, ganz ehrlich! Anne

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  4. Soso, „eigentlich“ liest Du mich gern….;D

    Naja, die Antworten auf solche „Stöckchen“ obligen ja dann auch dem, der es bekommt – und eben auch das Nicht-Beantworten. Das muß ein jeder selbst abwägen. Aber ich glaube, ich wiederhole mich gerade…;)

    Liebe Grüße – ich chill mal noch ein bißchen hier herum :>>

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  5. Lieber Bär tiger,
    Ich sagte nichts von „falsche Bilder erwecken“, ganz im Gegenteil.
    Ich möchte mein Gegenüber schon entdecken, aber mit meinen Augen und in meinem Tempo. Meiner Meinung nach braucht jede Beziehung auch verborgene Ecken, die man erst nach und nach entdecken kann. Ich finde zum Beispiel auch gänzliche körperliche Nacktheit, z.B. am FKK Strand, eher unerotisch. Kann ich aber den Körper eines Geliebten entdecken und entblättern macht mich das an. Ähnlich geht es mir bei möglicherweise irritierenden Eigen- und-Unarten. Kratzt sich jemand, den ich kaum kenne, in meiner Anwesenheit ungeniert den Sack, kann ich das zwar tolerieren, ich kann den Sackkratzer lachend weitermachen lassen, eine Wiederholung des Treffens mit ihm wird es allerdings nicht geben,denn ich finde ein solches Verhalten ungebührlich. Allenfalls würde ich ihm noch ein Döschen ‚Jakutin Puder‘ zukommen lassen. Entdecke ich diese „Unart“ aber nach längerer Bekanntschaft kann ich das als Teil seines Andersseins akzeptieren, vllt sogar drüber lachen und es als das normale Imponier- und Brunftverhalten des geschlechtsreifen, männlichen Homo sapiens einstufen.;) LG Anne

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  6. Liebe Anne,

    du sprichst mir aus der Seele. An anderer Stelle hatte ich schon einen guten Kommentar von dir gelesen, und darum habe ich dein blog besucht. Wenn ich freilich gewusst hätte, dass ich hier ungewollt erfahre, wer sich gern am Sack kratzt, wäre ich ein anderes Mal gekommen.
    Ich kann es manchmal nicht fassen, was einige da vom Stapel lassen.

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  7. Liebe Anne,
    heute muss ich dir mal aus vollem Herzen zustimmen. Wenn ich eine Liste aufstellen würde, was ich alles heimlich gerne mache, würden manche schon ins Szaunen kommen :-). Aber dafür habe ich zuviel Respekt vor mir.

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  8. … alles ist natürlich freiwillig und wenn es Spaß macht, dann ist es auch OK

    die Miezen rennen aber sowieso keinem Stöckchen hinterher
    und wie heißt es so schön: den letzten beißen die Hunde …
    Streß nämlich dann, wenn sich fast alles schon verteilt hat …

    Kettenbriefe kommen bei mir grundsätzlich in den Müll. Ich glaube nicht dass mein Schicksal davon abhängt, wenn ich gezwungenermaßen innerhalb kürzester Zeit mir den Kopf verdrehen muss, wem schickst du das weiter ?!? und zu den Auserwählten gehöre, weil bei den Leuten, von denen ich meist schon ewig nix mehr gehört hatte, die potentiellen Verteileradressen sich schon verdünnisiert hatte …

    Allerdings beteilige ich mich – wenn ich es fühle – an diversen Unterschriftenaktionen,
    oder Initiativen wie die eines amerikanischen Forumfreundes für eine Postkartenaktion eines Kindes im Krankenhaus, dass jetzt nicht mehr lebt. Es wünschte sich so sehr nochmal zu reisen, worauf seine Freundin, die dort auf Station arbeitet die Idee hatte, wer gerne möchte könne diesem kleinen Mädchen Postkarten schicken. War eine riesige Überraschung, all die bunten Karten an einer Pinwand vor dem Bett und die Suche dann im Atlas, wo liegt eigentlich Deutschland und Berlin …

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  9. Guten Morgen Anne,
    bin durch „Zufall“ hier her gekommen.
    Hey, Anne du glaubst gar nicht wie froh ich bin , wenigstens eine im Bloggerland gefunden zu haben, die das nicht mitmachen möchte.
    Mir war es echt unangenehm ,Absagen zu verteilen.
    Damit besteht die Gefahr ins Abseits zu gteloangen…und, mir wars nach reiflicher Überlegu7ng egal.
    Will mich nicht verkaufen, um keinen Preis.
    In dem Sinne ,shake hands
    lieben Gruß….die mauzzzz

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  10. Hallo LottiMieze,

    die Geschichte von dem kranken Mädchen und den Postkarten ist meines Wissens eine moderne Volkssage. In einer der Sammlungen von Brednich könnte sie stehen, hab es auf jeden Fall irgendwo gelesen.

    Lieben Gruß
    Trithemius

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  11. Es war einmal ein hässlicher Hase. Immer wenn ein Spaziergänger des Weges kam, sprang er auf den matschigen Boden vor seinen Füssen und rief: „Schau, siehst Du mein großes Geschlecht? Ich bin ein Löwe“ und seine Hasenpfote glitschte durch das matschige Fell an seine Hasenhoden. Der Hase hatte schon viele Leute mit seinem Auftritt belästigt und irgendwann war sein morgendliches Spiegelbild immer verzehrter geworden. Schaute er in sein königliches Anlitz, so war es ein prächtiger Löwe den er sah, mit glänzendem Fell und beachtlichem Ausmaß seiner Katzenpfoten. Jeder Tag wuchs sein Selbstvertrauen und an einem regnerischen Tag stolzierte er wieder als Löwe auf dem Weg vor seinem Bau, als ein LKW den schmalen Weg entlang fuhr. Sein kleiner Hasenkopf legte die Ohren an und er brüllte lispelnd durch die vorstehenden Hasenzähne dem LKW zu: „Bleib stehen und wirf Dich in den Dreck vor dem König der Tiere“ Ein leichtes Poltern durchfuhr den Fahrer des Lastwagens und er wunderte sich im Laufe des Tages, an einer Tankstelle, warum zwei Hasenzähne in einem der vorderen Räder steckte.

    Erheben wir Doch einfach unsere Gläser auf die Distanzlosigkeit, die kleine Hasen zu Löwen machen sollen.

    Anne, großen Respekt für Deine Ehrlichkeit. Du sprichst aus der Seele.

    Lieben Gruß

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  12. Hmmmh, gemeine, bösartige, spitze gute Satire, *gehört übrigens zu meinen Lieblingslektüren*,aber ich hab lange nicht mehr so herzlich gelacht! Für solche
    Geschichten hab ich einfach zu viel Fantasie. Ich hab den Hasen förmlich vor mir gesehen, wie er durch die Hasenzähne brüllt! Köstlich, ich hab mich an meinem Kaffee verschluckt vor Lachen.

    *dankbar *fg*
    Anne

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