Für die Katz…..

Gestern abend: Ich gehe ins Bett, meine beiden Kater haben es sich schon gemütlich gemacht, ich lösche das Licht. Aber ich finde keine Ruhe. Meine Katze maunzt, springt zu mir aufs Bett, stubbst mich an, rennt zur Tür, kommt zurück, maunzt. Ich bin ärgerlich, es ist fast Mitternacht, was hat das Tier nur. Die beiden Kater gucken völlig entnervt, Kessi, die Perserkatze miaut zum Steinerweichen. Ich schimpfe, sie soll Ruhe geben, erfolglos.

Ich bemerke Unruhe draußen auf der Straße. Jemand weint und ruft. Eine Alkoholikerin aus dem Nachbarhaus.

Ihr Lebensgefährte, auch ein Alkoholiker, hat einst meine kleine Kessi-Katze eingesammelt, als sie halb verhungert, winzig klein und zerzaust an seiner Tür maunzte. Er hat sich nicht lange um sie gekümmert, irgendwann saß sie vor meiner Haustür und er wollte sie nicht zurück, brachte mir aber mit deutlich schlechtem Gewissen und sichtlich froh das ich mich um sie kümmerte eine Dose Katzenfutter vorbei und strahlte jedesmal wenn er die Katze am Fenster sah.

Die Beiden sind Deutschrussen und ich habe schon mehrmals nachts die Polizei rufen müssen, weil das Alki-Paar in meiner Tiefgarage randalierte.Jetzt weint die Frau draußen auf der Straße.

Ich denke: „Nein, du kümmerst dich nicht darum, ihre Tochter ist mit meinem Nachbarn verheiratet, im Haus wohnen mehrere russische Familien, sollen die sich kümmern.“ Ich höre es bei mehreren Nachbarn schellen. Offensichtlich öffnet keiner. Jetzt schellt es bei mir. „Nein“, denke ich,“ich mach nicht auf. Meine Katze dreht jetzt ganz ab, miaut ununterbrochen, rennt auf den Flur, springt auf mein Bett, kratzt an der Haustür. Eigentlich um der Katze willen stehe ich auf, werfe mir einen Morgenmantel über und gehe an die Tür . Es hat jetzt zum zweiten Mal geschellt. Ich frage durch die Sprechanlage was los sei? Die Frau ist schon im Treppenhaus, vor meiner Tür. „Bitte, öffnen sie, ich brauche Hilfe! “ weint sie.
Widerwillig mach ich die Tür auf.
„Bitte können sie rufen Krankenwagen, mein Mann hat glaub ich an Herz!“ die Frau sieht ganz verweint aus und sie riecht nach Alkohol das es mir den Atem nimmt. Ich fühle mich hilflos, soll ich wirklich den Krankenwagen kommen lassen. Nachher haben die nur ein Saufgelage veranstaltet und sich gestritten, und ich lass den Notarzt kommen wegen nix? Die Frau sieht so verzweifelt aus…
Ich rufe an.

Der Krankenwagen kommt schnell, 5 Minuten später parken Polizei und Notarztwagen vor der Tür.

Zu spät für den Mann. Er muß schon eine ganze Weile tot gewesen sein, sagt der Polizist zu mir. Sein Körper war schon kalt. Mindestens eine Stunde meint der Notarzt. Warum hat die Frau denn nicht eher angerufen?“ fagt einer der Sanitäter.

Ich stehe auf der nächtlichen Straße und friere. Und ich schäme mich, denn auch ich habe eigentlich die Tür nur der Katze wegen geöffnet.
Ich gehe die wenigen Meter zurück zu meinem Hauseingang. Im Treppenhaus kommen mir Tochter und Schwiegersohn der Frau entgegen, der Mann muß wohl zur Nachtschicht. Wir wohnen Tür an Tür.
Ich erzähle den Beiden was passiert ist und bitte die Tochter sich doch um ihre Mutter zu kümmern.
„Wir haben keinen Kontakt mehr, die bauen eh nur Scheiße!“ bekomme ich Bescheid und die beiden fahren am Krankenwagen vorbei, zur Arbeit.

Ich gehe in meine Wohnung. Ich brüh mir einen Kaffee, zünde eine Kerze für den Nachbarn an. Kessi springt auf meinen Schoß, sie schaut mich mit großen goldenen Augen sehr ernst an. Sie schnurrt leise.

Draußen fährt das Auto des Bestatters vor das Nachbarhaus.

Ich wünsche mir das meinem Nachbarn, wo immer seine Seele jetzt sein mag, aufgemacht wird, wenn er anklopft. Und sei es nur um der kleinen Katze willen, die er nicht vor seiner Tür verhungern ließ.

God help the outcasts

don’t know if you can hear me, or if you’re even there.
I don’t know if you will listen to a humble prayer.
They tell me I am just an outcast, I shouldn’t speak to you…
Still I see your face, and wonder, were you once an outcast too?

God help the outcasts, hungry from birth.
Show them the mercy they don’t find on Earth.
The lost and forgotten, they look to you still.
God help the outcasts, or nobody will.

I ask for nothing, I can get by.
But I know so many less lucky than I.
God help the outcasts, the poor and downtrod.
I thought we all were the children of God.

I don’t know if there’s a reason;
why some are blessed, some not.
Why the few you seem to favor —
they fear us, flee us, try not to see us.

God help the outcasts, the tattered, the torn.
Seeking an answer to why they were born.
Winds of misfortune have blown them about.
You made the outcasts, don’t cast them out.

The poor and unlucky, the weak and the odd.
I thought we all were the children of God.

Bette Midler

4 Gedanken zu “Für die Katz…..

  1. Weniger zählt, aus welchem Grund man etwas tut, sondern dass man es tut, ist wichtig, finde ich. Aber ich muss sagen, dass du Respekt verdienst für deine Hilfsbereitschaft, auch wenn es ursprünglich nur wegen der Katze war. Solche Vorfälle bedrücken mich allerdings immer, sie zeigen nämlich, wie die Zivilcourage und die Bereitwilligkeit, zu helfen, stetig sinkt, bis auf ein paar Ausnahmen. Und ebenso denke ich, dass man nicht das Recht hat, andere Leute zu verurteilen, nur weil sie Alkoholiker und Immigranten sind. Vielleicht sind sie mit ihrem Leben derart unglücklich, dass sie es nicht verdient haben, dafür verurteilt zu werden. Mich würde nur interessieren, wie sich die Nachbarn verhalten hätten, wenn dort eine deutsche Frau und/ oder keine Trinkerin um Hilfe gebeten hätte, denn ich denke, hier spielen sehr viele Vorurteile eine große Rolle. Ich weiß ja nicht, wie lange die Frau schon Hilfe gesucht hat, aber hätten die Nachbarn gleich reagiert, wäre der Mann vielleicht sogar noch zu retten gewesen. Selbst, wenn es bei euch nicht so gewesen wäre, so gab es doch schon Fälle, in denen durch mangelnde Hilfsbereitschaft schon Leute gestorben sind und wer kann das bei genauerem Nachdenken mit seinem Gewissen vereinbaren?
    (Das ist ja jetzt nicht auf dich bezogen, schließlich hast du- im Gegensatz zur eigenen Familie- reagiert; es war nur allgemein gemeint)

    Liebe Grüße;
    Maria

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  2. Hey Anne!
    Ich halte die Sache so wie Marieken. Du solltest dir keine Vorwürfe machen, zumal du objektiv betrachtet ja gar nichts mehr hättest tun können. Vielmehr ist deine Zivilcourage aller Ehren wert. Ich verstehe schon, dass es eine beklemmende Situation für dich sein muss und dass der oben genannte Umstand dich vielleicht nicht zu trösten vermag.
    Was dir allerdings wohl Trost spendet ist wohl deine eigene Erkenntnis – meiner Meinung nach richtigerweise – dass er jetzt an einem besseren Ort ist.

    Ganz liebe Grüße,

    ‚Hove

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  3. Welch ein rührender Text! Und was für ein dramatisches Geschehen! Oft stehe ich oben auf dem Aachener Lousberg, schaue auf die Stadt und frage mich, welche Dramen sich da wohl abspielen. Eines davon hast Du hautnah miterlebt.
    Danke, dass Du es geschildert hast und Stoff zum Nachdenken bietest.

    Dein Jules

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